blau_links_20Schnurlos, aber nicht risikolos: Telefonieren mit dem "Home-Handy"

Dr.-Ing. Martin H. Virnich
Veröffentlicht : Fachzeitschrift Baubiologie 1/99


Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, halten digitale schnurlose Telefone Einzug in Wohnungen und Büros. Sie bergen aber wegen ihrer engen technischen Verwandtschaft zu den "grossen" digitalen Mobilfunksystemen (D- und E-Netz) gleiche biologische Risiken. Deswegen müssen diese Home-Handies kritisch betrachtet werden.


 

Siegeszug der Home-Handys

Die digitalen D- und E-Netz-Mobilfunksysteme werden seit ihrer Einführung von Wissenschaft und Medien kontrovers diskutiert - aus sozialen wie gesundheitlichen Gründen. Mobilfunk-Handies in der Öffentlichkeit fallen auf - ebenso wie die vielen tausend Basisstationen, die zum Betrieb der Mobilfunknetze notwendig sind: Antennen auf Stahlgittermasten, auf ausgedienten Industriekaminen, Hochhäusern - auch inmitten von Wohngebieten -, auf Wassertürmen und mittlerweile selbst auf Kirchtürmen.

Von der Öffentlickeit dagegen fast unbemerkt, haben in Wohnungen und Büros die schnurlosen digitalen, so genannten "Home-Handies" ihren Siegeszug angetreten. Ihre Benutzung scheint mittlerweile bereits selbstverständlich zu sein. Film und Fernsehen spiegeln es wider: In Krimis, Spielfilmen und den beliebten TV-Seifenopern wird viel telefoniert. Achten Sie einmal darauf: Kaum ein in jüngerer Zeit produzierter Film, in dem noch mit einem schnurgebundenen Apparat telefoniert würde. Schnurlos und mobil ist angesagt.

Während der Markt der "grossen" Mobilfunksysteme heiss umkämpft ist, verkaufen sich die "kleinen" schnurlosen Telefone fast wie von selbst, insbesondere diejenigen mit komfortabler digitaler Technik nach dem DECT-Standard. Ihr Anschaffungspreis ist kontinuierlich gesunken, was von den Käufern mit Freude zur Kenntnis genommen wird. Dass sie den zusätzlichen Preis eines besonderen gesundheitlichen Risikos mit in Kauf nehmen, ist der Öffentlichkeit kaum bekannt. Und wer bringt schon von sich aus das neu angeschaffte schnurlose DECT-Telefon in Zusammenhang mit ebenfalls neu auftretenden "unerklärlichen" Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Ohrensausen (Tinnitus) oder anderen Symptomen? Konstatiert ein baubiologischer Messtechniker mit seinen Geräten bei einer Hausuntersuchung DECT-Signale in der Wohnung - die aus den eigenen vier Wänden oder aus der Nachbarschaft stammen - und wird das fragliche Telefon abgeschaltet, so verschwinden meist auch bald die Symptome.

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Der DECT-Boom

Der Anteil DECT-Telefone am Gesamtumsatz der Schnurlosen beträgt in Deutschland bereits 75 Prozent, mit weiter steigender Tendenz. Demgegenüber verlieren die Geräte mit der älteren analogen Technik immer weiter an Bedeutung.

Schnurlose Telefone sind hochwertige Konsumartikel, sorgfältig und aufwendig designed. Der Verkäufer empfiehlt natürlich das Modernste und Beste: Excellente Sprachqualität, höchster Komfort, bis zu acht Mobilteile anschliessbar, grosser Mobilititätsbereich, menügesteuerte Bedienerführung in sieben Sprachen, Makro- und Namenstasten, Easy-to-use Handy-Benutzeroberfläche und dergleichen Features und Functions mehr. Kurz: Ein modernes digitales Gerät nach dem jüngsten technischen DECT-Standard. Und der Verkäufer muss ja wissen, was gut ist!

Was die Verkäufer dieser Geräte nicht sagen - weil man es ihnen wahrscheinlich auch nicht gesagt hat und was sie daher meist selbst auch gar nicht wissen: Die so gepriesenen schnurlosen DECT-Telefone mit ihren hervorragenden technischen Daten können gleichen besondere biologische Effekte im menschlichen Organismus hervorrufen wie ihre "grossen" Brüder’, die Mobilfunk-Handies. Jene funktionieren nach dem technischen Standard GSM (Global System for Mobile Communications), die digitalen Home-Handies nach dem technischen Standard DECT. DECT bedeutet "Digital Enhanced Cordless Telecommunications", also ‘"digital ausgerüstete schnurlose Telekommunikation’". Mit dem Zusatz GAP (Generic Access Profile) soll sichergestellt werden, dass auch Systemkomponenten - also Mobilteile und Basisstationen - unterschiedlicher Hersteller miteinander kommunizieren können.

Den "grossen" GSM-Systemen und den "kleinen" DECT-Geräten liegt das gleiche technische Prinzip zugrunde: Digitale Übertragung mit periodisch gepulster Strahlung. Und genau diese periodisch gepulste Strahlung hat die GSM-Handies frühzeitig zum Zielpunkt der Kritik werden lassen!

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Der Puls machts

Die mit 217 Hz periodisch gepulste Strahlung stellt ein "Markenzeichen" der digitalen Mobilfunksysteme dar. Ihm verdanken Sie zu einem guten Teil ihre technische Leistungsfähigkeit. Aus verschiedenen Untersuchungen ist aber auch seit Jahren bekannt, dass diese gepulste Strahlung - im Gegensatz zu ungepulster - ein besonderes biologisches Risiko darstellt.

So wurden an der Universitätsklinik Lübeck schon vor mehreren Jahren Veränderungen der Hirnströme im EEG (Elektroenzephalogramm) des Menschen unter dem Einfluss dieser periodisch gepulsten hochfrequenten Wellen beobachtet, die bei ungepulster Strahlung nicht auftreten. Einflüsse auf die Schlaf- und Traumphasen des Menschen wurden an der Universitätsklinik Mainz festgestellt. Ein australisches Forscherteam veröffentlichte 1997 die Ergebnisse von Tierversuchen, in denen erhöhte Krebsanfälligkeit bei Mäusen festgestellt wurde; das Experiment fand im Auftrag der australischen Telekom statt, die eigentlich die Wirkungslosigkeit der gepulsten Strahlung hatte demonstrieren wollen. Und eine jüngst veröffentlichte Studie der Berliner Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) bestätigt die bereits jahrelang bekannten und immer wieder angezweifelten Einflüsse auf die Hirnströme als deutlich messbar im EEG. Zweifel meldeten insbesondere die Industrie und Netzbetreiber an, ergaben doch von Ihnen in Auftrag gegebene Untersuchungen regelmässig keine Auffälligkeiten im EEG. Nun belegt die Studie der Berliner BAUA, dass die EEG-Veränderungen auch nicht an beliebigen Punkten des Gehirns, sondern nur in speziellen Arealen auftreten, insbesondere im rechten Scheitel- und Hinterhauptbereich. Wer an anderen Punkten misst, registriert nichts Auffälliges und verkündet dann: Keine Effekte festgestellt!

Trotz aller warnenden Untersuchungsergebnisse gelten die mit periodisch gepulster Strahlung arbeitenden Systeme offiziell als unbedenklich, da sie keinen der geltenden Grenzwerte überschreiten. Diese Grenzwerte basieren allerdings allein auf der Wärmewirkung von hochfrequenter Strahlung; Auswirkungen auf die empfindlichen Regelungssysteme des menschlichen Organismus (wie z.B. Nerven- und Hormonsystem, Immunsystem, Zellkommunikation) sind hierin überhaupt nicht berücksichtigt. WHO (Weltgesundheitsorganisation) und EU (Europäische Union) bemühen zur Zeit jeweils zweistellige Millionenbeträge für Forschungsprojekte, um nähere Aufschlüsse über biologische Wirkungen des digitalen Mobilfunks zu erhalten - derweil sind weltweit bereits über 100 Millionen Mobilfunk-Handies im Einsatz.

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DECT - die Miniaturausgabe des Mobilfunks für Heim und Büro

Nun sind die digitalen Schnurlos-Telefone nach dem DECT-Standard technisch eng mit ihren grossen Mobilfunkbrüdern verwandt: Es gibt auch hier eine Basisstation, welche die Verbindung zum Telefonfestnetz herstellt und einen oder mehrere Mobilteile, die per Funk - schnurlos eben - mit der Basisstation kommunizieren. Und diese Funkverbindung arbeitet bei DECT-Systemen mit periodisch gepulster Strahlung - nicht mit 217 Hz, wie bei den grossen GSM-Systemen, sondern mit 100 Hz gepulst, aber mit den gleichen biologischen Wirkungen. Bei Messungen in Wohnräumen und Büros stellen Baubiologen immer wieder fest, dass die Strahlungsdichte der DECT-Basisstationen deutlich über derjenigen von Basisstationen des GSM-Mobilfunks liegen kann, die sich draussen, ausserhalb des Gebäudes befinden. Kein Wunder, hat man sich doch die Strahlungsquelle direkt ins Haus herein geholt. Innerhalb des Hauses reichen die DECT-Wellen erstaunlich weit; Zimmerwände stellen für sie nur ein bedingtes Hindernis dar.

Und was die wenigsten wissen: Die DECT-Basisstationen sind Dauersender! Sie müssen ständig in Bereitschaft sein und senden daher ihre gepulsten Signale permanent, am Tag und in der Nacht, auch wenn Sie gar nicht telefonieren. Die Pulsleistung der Schnurlosen liegt mit 250 mW (Milliwatt) zwar nur bei einem Achtel bzw. einem Viertel der Maximalleistung von Mobilfunk-Handies (D-Netz: 2 W (Watt); E-Netz: 1 W). Aber die Mobilfunk-Handies sind leistungsgeregelt und senden nicht unbedingt mit ihrer höchstmöglichen Leistung, sondern nur mit der gerade nötigen Leistung - nicht mehr. Bei guter Verbindung zur GSM-Basisstation kann dies auch deutlich weniger als 250 mW sein. Der "kleine Bruder" DECT kann also durchaus mehr Leistung abstrahlen als der "grosse Bruder" GSM.

Für den professionellen Einsatz werden mittlerweile DECT-Systeme angeboten, die eine flächendeckende Versorgung ganzer Bürotrakte sicherstellen und - von einer Zentraleinheit gesteuert - über hundert Mobilteile umfassen können. Sie beschränken sich nicht auf die schnurlose Übertragung von Sprache, sondern ermöglichen als sogenannte WPBX-Telekommunikationssysteme (Wireless Private Branch Exchange) darüberhinaus die mobile Nutzung von

  • Fax, E-Mail, File Transfer
  • ISDN-Trägerdiensten (Integrated Services Digital Network)
  • Paketdatendiensten
  • Internet und Zugang zu entfernten Netzwerken.

Ziel ist die mobile Multimedia-Übertragung. Alles digital und gepulst.

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DECT-Puls: 100 Funkblitze pro Sekunde

Voraussetzung für die Anwendbarkeit gepulster Signale ist digitale Technik - die herkömmliche analoge Technik ist mit Pulsung nicht vereinbar. Daher hat erst die rasante Entwicklung der Digitaltechnik zum Einsatz von Telekommunikationssystemen mit gepulster Strahlung geführt. Periodische Pulsung hat bei Systemen mit einer Vielzahl von aktiven Funkteilnehmern - wie es bei der mobilen und schnurlosen Kommunikation der Fall ist - wesentliche technische und ökonomische Vorteile. Man kann sich die Pulsung wie Funkblitze vorstellen, die ein DECT-Gerät 100 mal pro Sekunde aussendet (100 Hz-Puls). In diesen "Blitzen" ist komprimiert die zu übertragende Information verschlüsselt.

Vergleicht man in einer Analogie die Funkwellen mit Lichtwellen, so entspricht z.B. ein herkömmliches analoges Schnurlos-Telefon einer konstant leuchtenden Glühlampe. Die periodisch gepulste Strahlung eines digitalen Funksystems entspricht dagegen den flimmernden Lichtblitzen eines Stroboskops (vgl. Bild).

dect_gepulst
100 Hz-Puls eines DECT-Telefons und ungepulste Strahlung eines analogen Schnurlos-Telefons (CT1+) im Vergleich

Unter Betrachtung der reinen Wärmewirkung - wie es die offiziellen Grenzwertbestimmungen tun - ergibt sich in beiden Fällen eine Effektivleistung von 10 mW. Die Spitzenleistung beträgt aber bei kontinuierlicher analoger Strahlung nur 20 mW, bei der gepulsten DECT-Strahlung dagegen 250 mW. "Ob Ihr Partner Ihre Wange kontinuierlich streichelt oder Ihnen in regelmässigen Abständen Ohrfeigen versetzt, kommt wärmemässig auf's Gleiche raus!" (Prof. Käs, Bundeswehrhochschule Neubiberg). Aber eben nur wärmemässig.

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Die Alternative: Schnurgebunden oder CT1+

Wie die obigen Ausführungen zeigen, ist ungepulste Strahlung die biologisch unverdächtigere Alternative. Nach diesem Verfahren arbeiten die analogen Schnurlos-Systeme gemäss dem technischen Standard CT1+ (sprich: "CT 1 Plus"). Wenn Sie denn der Meinung sind, auch unbedingt ein schnurloses Telefon zu brauchen, so bietet die gute alte Analogtechnik die biologisch unverdächtigere Alternative.

Analoge Schnurlose kommen ohne gepulste Strahlung aus, senden nur mit 20 mW Spitzenleistung und dies ausserdem nur, wenn es wirklich erforderlich ist - also nur dann, wenn Sie tatsächlich telefonieren. Analoge Schnurlose sind im Handel problemlos zu bekommen - man muss nur gezielt danach fragen und darauf bestehen, auch wenn Ihnen der Händler lieber ein DECT-Gerät verkaufen möchte.

Wie erkennen Sie - wenn Sie bereits ein schnurloses Telefon besitzen - ob es sich um ein DECT-Gerät handelt? Wenn sich auf dem Gehäuse oder in der Bedienungsanleitung die Bezeichnung ‘DECT"findet, so ist die Sachlage offensichtlich klar.

Aber Vorsicht:: Nicht überall, wo DECT drinsteckt, steht auch DECT drauf. Woran können Sie dann erkennen, ob Sie ggf. ein DECT-Telefon erwischt haben? Z.B. am Frequenzbereich von 1880 - 1900 MHz (= 1,880 - 1,900 GHz), falls er bei den technischen Daten angegeben ist. Oder an DECT-spezifischen Leistungsmerkmalen, wie

  • eine grössere Zahl von Mobilteilen kann an einer Basisstation betrieben werden (typischerweise sechs bis acht)
  • Gespächsmöglichkeit von Mobilteil zu Mobilteil
  • Gesprächsweiterleitung an andere Mobilteile
  • Abhörsicherheit (durch Encryption)
  • besonders hohe Sprachqualität
Im Zweifelsfall hilft hier ein baubiologischer Messtechniker weiter.

Ausser DECT und CT1+ gibt es noch schnurlose Telefone nach dem technischen Standard CT2. Diese Geräte haben auf dem europäischen Markt keine wesentliche Bedeutung, da ihre Einführung von der DECT-Welle überrollt wurde. CT2-Telefone arbeiten ebenfalls digital und mit periodisch gepulster Strahlung von 500 Hz; die CT2-Basisstation sendet aber immerhin nur während der Dauer des Telefonats.

Auch wenn Sie ein analoges Schnurloses nach dem Standard CT1+ besitzen oder anschaffen: Mit schnurlosen Telefonen sollten in jedem Fall nur Kurzgespräche geführt werden - für Langzeittelefonate ist das schnurgebundene Telefon immer noch die beste Wahl. Und auf gar keinen Fall gehören die Basisstation oder die Ladestation des Mobilgerätes in die Nähe des Bettes - allerdings wegen der niederfrequenten Magnetfelder, die ihr Netztransformator erzeugt.

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Technische Standards der "Home-Handies"

Technologie CT-1+ CT-2 DECT/GAP
Modulationsart Analog, ungepulst Digital, periodisch gepulst mit 500 Hz Digital, periodisch gepulst mit 100 Hz
Sender Basisstation sendet nur während des Telefonats. Basisstation sendet nur während des Telefonats. Basisstation sendet permanent.
Sendeleistung (Effektivwert) 10 mW 10 mW 10 mW
Sendeleistung (Spitzenwert) 20 mW 20 mW 250 mW
Frequenzbereich 885-887 MHz / 930-932 MHz 864-868 MHz 1.880-1.900 MHz

Autor : Dr.-Ing. Martin H. Virnich, Baubiologe IBN, VDB - Berufsverband Deutscher Baubiologen

blau_links_20Schnurlos, aber nicht risikolos: Telefonieren mit dem "Home-Handy"

Dr.-Ing. Martin H. Virnich
Veröffentlicht : Fachzeitschrift Baubiologie 1/99


Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, halten digitale schnurlose Telefone Einzug in Wohnungen und Büros. Sie bergen aber wegen ihrer engen technischen Verwandtschaft zu den "grossen" digitalen Mobilfunksystemen (D- und E-Netz) gleiche biologische Risiken. Deswegen müssen diese Home-Handies kritisch betrachtet werden.


 

Siegeszug der Home-Handys

Die digitalen D- und E-Netz-Mobilfunksysteme werden seit ihrer Einführung von Wissenschaft und Medien kontrovers diskutiert - aus sozialen wie gesundheitlichen Gründen. Mobilfunk-Handies in der Öffentlichkeit fallen auf - ebenso wie die vielen tausend Basisstationen, die zum Betrieb der Mobilfunknetze notwendig sind: Antennen auf Stahlgittermasten, auf ausgedienten Industriekaminen, Hochhäusern - auch inmitten von Wohngebieten -, auf Wassertürmen und mittlerweile selbst auf Kirchtürmen.

Von der Öffentlickeit dagegen fast unbemerkt, haben in Wohnungen und Büros die schnurlosen digitalen, so genannten "Home-Handies" ihren Siegeszug angetreten. Ihre Benutzung scheint mittlerweile bereits selbstverständlich zu sein. Film und Fernsehen spiegeln es wider: In Krimis, Spielfilmen und den beliebten TV-Seifenopern wird viel telefoniert. Achten Sie einmal darauf: Kaum ein in jüngerer Zeit produzierter Film, in dem noch mit einem schnurgebundenen Apparat telefoniert würde. Schnurlos und mobil ist angesagt.

Während der Markt der "grossen" Mobilfunksysteme heiss umkämpft ist, verkaufen sich die "kleinen" schnurlosen Telefone fast wie von selbst, insbesondere diejenigen mit komfortabler digitaler Technik nach dem DECT-Standard. Ihr Anschaffungspreis ist kontinuierlich gesunken, was von den Käufern mit Freude zur Kenntnis genommen wird. Dass sie den zusätzlichen Preis eines besonderen gesundheitlichen Risikos mit in Kauf nehmen, ist der Öffentlichkeit kaum bekannt. Und wer bringt schon von sich aus das neu angeschaffte schnurlose DECT-Telefon in Zusammenhang mit ebenfalls neu auftretenden "unerklärlichen" Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Ohrensausen (Tinnitus) oder anderen Symptomen? Konstatiert ein baubiologischer Messtechniker mit seinen Geräten bei einer Hausuntersuchung DECT-Signale in der Wohnung - die aus den eigenen vier Wänden oder aus der Nachbarschaft stammen - und wird das fragliche Telefon abgeschaltet, so verschwinden meist auch bald die Symptome.

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Der DECT-Boom

Der Anteil DECT-Telefone am Gesamtumsatz der Schnurlosen beträgt in Deutschland bereits 75 Prozent, mit weiter steigender Tendenz. Demgegenüber verlieren die Geräte mit der älteren analogen Technik immer weiter an Bedeutung.

Schnurlose Telefone sind hochwertige Konsumartikel, sorgfältig und aufwendig designed. Der Verkäufer empfiehlt natürlich das Modernste und Beste: Excellente Sprachqualität, höchster Komfort, bis zu acht Mobilteile anschliessbar, grosser Mobilititätsbereich, menügesteuerte Bedienerführung in sieben Sprachen, Makro- und Namenstasten, Easy-to-use Handy-Benutzeroberfläche und dergleichen Features und Functions mehr. Kurz: Ein modernes digitales Gerät nach dem jüngsten technischen DECT-Standard. Und der Verkäufer muss ja wissen, was gut ist!

Was die Verkäufer dieser Geräte nicht sagen - weil man es ihnen wahrscheinlich auch nicht gesagt hat und was sie daher meist selbst auch gar nicht wissen: Die so gepriesenen schnurlosen DECT-Telefone mit ihren hervorragenden technischen Daten können gleichen besondere biologische Effekte im menschlichen Organismus hervorrufen wie ihre "grossen" Brüder’, die Mobilfunk-Handies. Jene funktionieren nach dem technischen Standard GSM (Global System for Mobile Communications), die digitalen Home-Handies nach dem technischen Standard DECT. DECT bedeutet "Digital Enhanced Cordless Telecommunications", also ‘"digital ausgerüstete schnurlose Telekommunikation’". Mit dem Zusatz GAP (Generic Access Profile) soll sichergestellt werden, dass auch Systemkomponenten - also Mobilteile und Basisstationen - unterschiedlicher Hersteller miteinander kommunizieren können.

Den "grossen" GSM-Systemen und den "kleinen" DECT-Geräten liegt das gleiche technische Prinzip zugrunde: Digitale Übertragung mit periodisch gepulster Strahlung. Und genau diese periodisch gepulste Strahlung hat die GSM-Handies frühzeitig zum Zielpunkt der Kritik werden lassen!

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Der Puls machts

Die mit 217 Hz periodisch gepulste Strahlung stellt ein "Markenzeichen" der digitalen Mobilfunksysteme dar. Ihm verdanken Sie zu einem guten Teil ihre technische Leistungsfähigkeit. Aus verschiedenen Untersuchungen ist aber auch seit Jahren bekannt, dass diese gepulste Strahlung - im Gegensatz zu ungepulster - ein besonderes biologisches Risiko darstellt.

So wurden an der Universitätsklinik Lübeck schon vor mehreren Jahren Veränderungen der Hirnströme im EEG (Elektroenzephalogramm) des Menschen unter dem Einfluss dieser periodisch gepulsten hochfrequenten Wellen beobachtet, die bei ungepulster Strahlung nicht auftreten. Einflüsse auf die Schlaf- und Traumphasen des Menschen wurden an der Universitätsklinik Mainz festgestellt. Ein australisches Forscherteam veröffentlichte 1997 die Ergebnisse von Tierversuchen, in denen erhöhte Krebsanfälligkeit bei Mäusen festgestellt wurde; das Experiment fand im Auftrag der australischen Telekom statt, die eigentlich die Wirkungslosigkeit der gepulsten Strahlung hatte demonstrieren wollen. Und eine jüngst veröffentlichte Studie der Berliner Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) bestätigt die bereits jahrelang bekannten und immer wieder angezweifelten Einflüsse auf die Hirnströme als deutlich messbar im EEG. Zweifel meldeten insbesondere die Industrie und Netzbetreiber an, ergaben doch von Ihnen in Auftrag gegebene Untersuchungen regelmässig keine Auffälligkeiten im EEG. Nun belegt die Studie der Berliner BAUA, dass die EEG-Veränderungen auch nicht an beliebigen Punkten des Gehirns, sondern nur in speziellen Arealen auftreten, insbesondere im rechten Scheitel- und Hinterhauptbereich. Wer an anderen Punkten misst, registriert nichts Auffälliges und verkündet dann: Keine Effekte festgestellt!

Trotz aller warnenden Untersuchungsergebnisse gelten die mit periodisch gepulster Strahlung arbeitenden Systeme offiziell als unbedenklich, da sie keinen der geltenden Grenzwerte überschreiten. Diese Grenzwerte basieren allerdings allein auf der Wärmewirkung von hochfrequenter Strahlung; Auswirkungen auf die empfindlichen Regelungssysteme des menschlichen Organismus (wie z.B. Nerven- und Hormonsystem, Immunsystem, Zellkommunikation) sind hierin überhaupt nicht berücksichtigt. WHO (Weltgesundheitsorganisation) und EU (Europäische Union) bemühen zur Zeit jeweils zweistellige Millionenbeträge für Forschungsprojekte, um nähere Aufschlüsse über biologische Wirkungen des digitalen Mobilfunks zu erhalten - derweil sind weltweit bereits über 100 Millionen Mobilfunk-Handies im Einsatz.

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DECT - die Miniaturausgabe des Mobilfunks für Heim und Büro

Nun sind die digitalen Schnurlos-Telefone nach dem DECT-Standard technisch eng mit ihren grossen Mobilfunkbrüdern verwandt: Es gibt auch hier eine Basisstation, welche die Verbindung zum Telefonfestnetz herstellt und einen oder mehrere Mobilteile, die per Funk - schnurlos eben - mit der Basisstation kommunizieren. Und diese Funkverbindung arbeitet bei DECT-Systemen mit periodisch gepulster Strahlung - nicht mit 217 Hz, wie bei den grossen GSM-Systemen, sondern mit 100 Hz gepulst, aber mit den gleichen biologischen Wirkungen. Bei Messungen in Wohnräumen und Büros stellen Baubiologen immer wieder fest, dass die Strahlungsdichte der DECT-Basisstationen deutlich über derjenigen von Basisstationen des GSM-Mobilfunks liegen kann, die sich draussen, ausserhalb des Gebäudes befinden. Kein Wunder, hat man sich doch die Strahlungsquelle direkt ins Haus herein geholt. Innerhalb des Hauses reichen die DECT-Wellen erstaunlich weit; Zimmerwände stellen für sie nur ein bedingtes Hindernis dar.

Und was die wenigsten wissen: Die DECT-Basisstationen sind Dauersender! Sie müssen ständig in Bereitschaft sein und senden daher ihre gepulsten Signale permanent, am Tag und in der Nacht, auch wenn Sie gar nicht telefonieren. Die Pulsleistung der Schnurlosen liegt mit 250 mW (Milliwatt) zwar nur bei einem Achtel bzw. einem Viertel der Maximalleistung von Mobilfunk-Handies (D-Netz: 2 W (Watt); E-Netz: 1 W). Aber die Mobilfunk-Handies sind leistungsgeregelt und senden nicht unbedingt mit ihrer höchstmöglichen Leistung, sondern nur mit der gerade nötigen Leistung - nicht mehr. Bei guter Verbindung zur GSM-Basisstation kann dies auch deutlich weniger als 250 mW sein. Der "kleine Bruder" DECT kann also durchaus mehr Leistung abstrahlen als der "grosse Bruder" GSM.

Für den professionellen Einsatz werden mittlerweile DECT-Systeme angeboten, die eine flächendeckende Versorgung ganzer Bürotrakte sicherstellen und - von einer Zentraleinheit gesteuert - über hundert Mobilteile umfassen können. Sie beschränken sich nicht auf die schnurlose Übertragung von Sprache, sondern ermöglichen als sogenannte WPBX-Telekommunikationssysteme (Wireless Private Branch Exchange) darüberhinaus die mobile Nutzung von

  • Fax, E-Mail, File Transfer
  • ISDN-Trägerdiensten (Integrated Services Digital Network)
  • Paketdatendiensten
  • Internet und Zugang zu entfernten Netzwerken.

Ziel ist die mobile Multimedia-Übertragung. Alles digital und gepulst.

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DECT-Puls: 100 Funkblitze pro Sekunde

Voraussetzung für die Anwendbarkeit gepulster Signale ist digitale Technik - die herkömmliche analoge Technik ist mit Pulsung nicht vereinbar. Daher hat erst die rasante Entwicklung der Digitaltechnik zum Einsatz von Telekommunikationssystemen mit gepulster Strahlung geführt. Periodische Pulsung hat bei Systemen mit einer Vielzahl von aktiven Funkteilnehmern - wie es bei der mobilen und schnurlosen Kommunikation der Fall ist - wesentliche technische und ökonomische Vorteile. Man kann sich die Pulsung wie Funkblitze vorstellen, die ein DECT-Gerät 100 mal pro Sekunde aussendet (100 Hz-Puls). In diesen "Blitzen" ist komprimiert die zu übertragende Information verschlüsselt.

Vergleicht man in einer Analogie die Funkwellen mit Lichtwellen, so entspricht z.B. ein herkömmliches analoges Schnurlos-Telefon einer konstant leuchtenden Glühlampe. Die periodisch gepulste Strahlung eines digitalen Funksystems entspricht dagegen den flimmernden Lichtblitzen eines Stroboskops (vgl. Bild).

dect_gepulst
100 Hz-Puls eines DECT-Telefons und ungepulste Strahlung eines analogen Schnurlos-Telefons (CT1+) im Vergleich

Unter Betrachtung der reinen Wärmewirkung - wie es die offiziellen Grenzwertbestimmungen tun - ergibt sich in beiden Fällen eine Effektivleistung von 10 mW. Die Spitzenleistung beträgt aber bei kontinuierlicher analoger Strahlung nur 20 mW, bei der gepulsten DECT-Strahlung dagegen 250 mW. "Ob Ihr Partner Ihre Wange kontinuierlich streichelt oder Ihnen in regelmässigen Abständen Ohrfeigen versetzt, kommt wärmemässig auf's Gleiche raus!" (Prof. Käs, Bundeswehrhochschule Neubiberg). Aber eben nur wärmemässig.

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Die Alternative: Schnurgebunden oder CT1+

Wie die obigen Ausführungen zeigen, ist ungepulste Strahlung die biologisch unverdächtigere Alternative. Nach diesem Verfahren arbeiten die analogen Schnurlos-Systeme gemäss dem technischen Standard CT1+ (sprich: "CT 1 Plus"). Wenn Sie denn der Meinung sind, auch unbedingt ein schnurloses Telefon zu brauchen, so bietet die gute alte Analogtechnik die biologisch unverdächtigere Alternative.

Analoge Schnurlose kommen ohne gepulste Strahlung aus, senden nur mit 20 mW Spitzenleistung und dies ausserdem nur, wenn es wirklich erforderlich ist - also nur dann, wenn Sie tatsächlich telefonieren. Analoge Schnurlose sind im Handel problemlos zu bekommen - man muss nur gezielt danach fragen und darauf bestehen, auch wenn Ihnen der Händler lieber ein DECT-Gerät verkaufen möchte.

Wie erkennen Sie - wenn Sie bereits ein schnurloses Telefon besitzen - ob es sich um ein DECT-Gerät handelt? Wenn sich auf dem Gehäuse oder in der Bedienungsanleitung die Bezeichnung ‘DECT"findet, so ist die Sachlage offensichtlich klar.

Aber Vorsicht:: Nicht überall, wo DECT drinsteckt, steht auch DECT drauf. Woran können Sie dann erkennen, ob Sie ggf. ein DECT-Telefon erwischt haben? Z.B. am Frequenzbereich von 1880 - 1900 MHz (= 1,880 - 1,900 GHz), falls er bei den technischen Daten angegeben ist. Oder an DECT-spezifischen Leistungsmerkmalen, wie

  • eine grössere Zahl von Mobilteilen kann an einer Basisstation betrieben werden (typischerweise sechs bis acht)
  • Gespächsmöglichkeit von Mobilteil zu Mobilteil
  • Gesprächsweiterleitung an andere Mobilteile
  • Abhörsicherheit (durch Encryption)
  • besonders hohe Sprachqualität
Im Zweifelsfall hilft hier ein baubiologischer Messtechniker weiter.

Ausser DECT und CT1+ gibt es noch schnurlose Telefone nach dem technischen Standard CT2. Diese Geräte haben auf dem europäischen Markt keine wesentliche Bedeutung, da ihre Einführung von der DECT-Welle überrollt wurde. CT2-Telefone arbeiten ebenfalls digital und mit periodisch gepulster Strahlung von 500 Hz; die CT2-Basisstation sendet aber immerhin nur während der Dauer des Telefonats.

Auch wenn Sie ein analoges Schnurloses nach dem Standard CT1+ besitzen oder anschaffen: Mit schnurlosen Telefonen sollten in jedem Fall nur Kurzgespräche geführt werden - für Langzeittelefonate ist das schnurgebundene Telefon immer noch die beste Wahl. Und auf gar keinen Fall gehören die Basisstation oder die Ladestation des Mobilgerätes in die Nähe des Bettes - allerdings wegen der niederfrequenten Magnetfelder, die ihr Netztransformator erzeugt.

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Technische Standards der "Home-Handies"

Technologie CT-1+ CT-2 DECT/GAP
Modulationsart Analog, ungepulst Digital, periodisch gepulst mit 500 Hz Digital, periodisch gepulst mit 100 Hz
Sender Basisstation sendet nur während des Telefonats. Basisstation sendet nur während des Telefonats. Basisstation sendet permanent.
Sendeleistung (Effektivwert) 10 mW 10 mW 10 mW
Sendeleistung (Spitzenwert) 20 mW 20 mW 250 mW
Frequenzbereich 885-887 MHz / 930-932 MHz 864-868 MHz 1.880-1.900 MHz

Autor : Dr.-Ing. Martin H. Virnich, Baubiologe IBN, VDB - Berufsverband Deutscher Baubiologen

blau_links_20Chance vertan!

Dr.-Ing. Martin H. Virnich
Veröffentlicht: Wohnung + Gesundheit, Nr. 88, Herbst 1998


Es wäre zu schön gewesen: Für die bereits jetzt geplante Nachfolge-Generation der digitalen Mobilfunksysteme gibt es eine technische Lösung, die ohne die umstrittene periodisch gepulste Strahlung auskommt und die lange Zeit von dem zuständigen Mobilfunk-Entscheidungsgremium favorisiert wurde. Nun aber ist es endgültig: Auch die dritte Generation von Mobilfunksystemen wird europaweit periodisch gepulste Wellen ausstrahlen!

Die mit 217 Hz periodisch gepulste Strahlung stellt ein "Markenzeichen" der digitalen Mobilfunksysteme nach dem GSM-Standard*1 dar (D- und E-Netze). In verschiedenen Untersuchungen hat sich herausgestellt, daß diese gepulste Strahlung gegenüber ungepulster ein besonderes biologisches Risiko darstellt, da sie bei Menschen u.a. Hirnstromveränderungen hervorrufen kann; im Tierversuch wurde z.B. ein erhöhtes Krebswachstum beobachtet. Sie hat daher erheblich zu der Kritik an den digitalen Mobilfunksystemen beigetragen.

Während mit dem E2-Netz gerade das vierte GSM-Mobilfunksystem flächendeckend eingeführt wird, beschloß jüngst das Entscheidungsgremium des ETSI*2 den technischen Rahmenstandard für die zukünftigen Mobilfunksysteme der 3. Generation (UMTS*3), die ab dem Jahr 2002 die bestehenden GSM- Netze ergänzen und sie ab 2005 ablösen sollen

Dabei lag mit dem sogenannten W-CDMA-Verfahren*4 eine biologisch unverdächtigere Alternative vor, die ohne gepulste Strahlung funktioniert und die vom ETSI in der Vergangenheit - allerdings aus technischen Gründen - favorisiert wurde.

Aber beim Wettkampf technischer Systeme geht es manchmal zu wie beim Sport: Der lange Zeit in Führung liegende und bereits mit Applaus bedachte Favorit muß nicht unbedingt auch den Endspurt für sich entscheiden! Das ohne Pulsung arbeitende W-CDMA-Verfahren, unterstützt durch die gemeinsame Mannschaft von Ericsson und Nokia, wurde (nach Verlängerung) zwar zum Sieger erklärt, der Konkurrent TD-CDMA*5 , der von einer Allianz aus Alcatel, Bosch, Italtel, Motorola, Nortel, Siemens und Sony gepusht wird, aber ebenfalls! W-CDMA lag im Dezember 1997 bei einer Abstimmung noch alleine vorn in der Gunst der Schiedsrichter des ETSI, konnte aber nicht die erforderliche Mehrheit von 71 % erringen. Auf einer außerordentlichen Sitzung im Februar 1998 einigte man sich auf einen Kompromiß: Und stellte TD-CDMA neben W-CDMA oben auf das Siegertreppchen.

Damit enthält der UMTS-Rahmenstandard, der die mobile Übertragung von Sprache, Musik, Text, Daten, Graphik und Video umfaßt, zwei verschiedene Verfahren: W-CDMA vorzugsweise für Systeme mit "symmetrischen" Übertragungskanälen, wie z.B. Sprachübertragung und 2-Wege-Datenübertragung. TD-CDMA vorzugsweise für Schnurlos-Telefonie und "asymmetrischen" Datenverkehr, wo in einer Richtung erheblich mehr Daten übertragen werden als in der anderen (z.B. Fax, Paging, Internet-Zugriff).

TD-CDMA wurde aus einer Kreuzung des gepulsten TDMA-Verfahrens*6 , wie es im GSM-Mobilfunkstandard zur Anwendung kommt, mit dem ungepulsten CDMA*7 geboren und hat dabei die Eigenschaft der periodischen Pulsung vom TDMA-Elternteil übernommen. Diese Kreuzung vereinigt technisch gesehen die Vorteile beider Verfahren; bio-logisch gesehen schlägt die "schlechte" Eigenschaft der periodischen Pulsung von TDMA durch und macht das prinzipiell pulsfreie Funktionieren von CDMA zunichte.

Pro Frequenzkanal arbeitet UMTS TD-CDMA - so wie GSM - mit acht Zeitschlitzen im 217 Hz-Puls; in jedem Zeitschlitz sind noch einmal acht Code-Kanäle untergebracht (vgl. Tabelle 1).

Bandbreite pro Frequenzkanal TDMA CDMA
Anzahl Zeitschlitze pro Frequenzkanal Pulsfrequenz Anzahl Codes pro Zeitschlitz
GSM 200 kHz 8 217 Hz -
UMTS mit TD-CDMA 8 x 200 kHz = 1,6 MHz 8 217 Hz 8
Tabelle 1: Gegenüberstellung von GSM und UMTS TD-CDMA

Das Gespann aus W-CDMA und TD-CDMA wird bei seinem Siegeszug erwartungsgemäß ein flottes Tempo vorlegen: Die Ausarbeitung der technischen Details soll bis Ende 1999 erfolgen. Der Start der ersten Feldversuche ist für 2001 vorgesehen und der Beginn des regulären Betriebes ab 2002. Der flächendeckende Ausbau soll dann innerhalb von drei Jahren bis 2005 abgeschlossen sein.

Bei der Einführung des digitalen Mobilfunks im Jahre 1992 hatte zwischen den Großeltern (1. Generation / analoge Mobilfunksysteme, wie z.B. C-Netz) und den Eltern (2. Generation / digitale GSM-Netze) des Mobilfunk-Enkels UMTS ein technischer Generationenkonflikt mit anschließendem Systembruch stattgefunden. Ein solcher radikaler Systembruch, den der alleinige Übergang auf W-CDMA wiederum bedeutet hätte, wurde durch den TD-CDMA-Kompromiß vermieden.

Dafür hat der GSM-Elternteil seine pulsierenden Eigenschaften auf den Enkel UMTS übertragen. Diese Erbmasse wird an eine zahlreiche Nachkommenschaft weitergegeben: Bis zum Zeitraum 2002-2005 werden weltweit ca. 300 Millionen Mobilfunkteilnehmer erwartet. Auf dieser Basis wird UMTS sein Erbe antreten.

Mit der Einbeziehung von TD-CDMA in den UMTS-Rahmenstandard ist die Chance vertan, ein europa- oder gar weltweit einheitliches GSM-Nachfolgesystem zu schaffen, das ohne gepulste Strahlung auskommt. Während WHO und Europäische Union aktuellen Forschungsbedarf bei der Klärung der biologischen Wirkungen von gepulster Strahlung sehen und hierfür in den nächsten Jahren zweistellige Millionenbeträge ausgeben werden, sind von der Technik die Weichen für die mobile Telekommunikation der Zukunft ohne genaueres Wissen um die biologischen Konsequenzen bereits gestellt.

Also werden die erwarteten mehrere hundert Millionen Mobilfunk-Teilnehmer auch weiterhin periodisch pulsende Handies verwenden. Es wäre zu schön gewesen ...
Abkürzungen:

*1 GSM: Global System for Mobile Communications
*2 ETSI: European Telecommunication Standardization Institute
*3 UMTS: Universal Mobile Telecommunication System
*4 W-CDMA: Wideband Code Division Multiple Access / Breitband-CDMA, ungepulst
*5 TD-CDMA: Time Division - Code Division Multiple Access, gepulst
*6 TDMA: Time Division Multiple Access / Zeitmultiplex, gepulst
*7 CDMA: Code Division Multiple Access / Codemultiplex, ungepulst

blau_links_20Chance vertan!

Dr.-Ing. Martin H. Virnich
Veröffentlicht: Wohnung + Gesundheit, Nr. 88, Herbst 1998


Es wäre zu schön gewesen: Für die bereits jetzt geplante Nachfolge-Generation der digitalen Mobilfunksysteme gibt es eine technische Lösung, die ohne die umstrittene periodisch gepulste Strahlung auskommt und die lange Zeit von dem zuständigen Mobilfunk-Entscheidungsgremium favorisiert wurde. Nun aber ist es endgültig: Auch die dritte Generation von Mobilfunksystemen wird europaweit periodisch gepulste Wellen ausstrahlen!

Die mit 217 Hz periodisch gepulste Strahlung stellt ein "Markenzeichen" der digitalen Mobilfunksysteme nach dem GSM-Standard*1 dar (D- und E-Netze). In verschiedenen Untersuchungen hat sich herausgestellt, daß diese gepulste Strahlung gegenüber ungepulster ein besonderes biologisches Risiko darstellt, da sie bei Menschen u.a. Hirnstromveränderungen hervorrufen kann; im Tierversuch wurde z.B. ein erhöhtes Krebswachstum beobachtet. Sie hat daher erheblich zu der Kritik an den digitalen Mobilfunksystemen beigetragen.

Während mit dem E2-Netz gerade das vierte GSM-Mobilfunksystem flächendeckend eingeführt wird, beschloß jüngst das Entscheidungsgremium des ETSI*2 den technischen Rahmenstandard für die zukünftigen Mobilfunksysteme der 3. Generation (UMTS*3), die ab dem Jahr 2002 die bestehenden GSM- Netze ergänzen und sie ab 2005 ablösen sollen

Dabei lag mit dem sogenannten W-CDMA-Verfahren*4 eine biologisch unverdächtigere Alternative vor, die ohne gepulste Strahlung funktioniert und die vom ETSI in der Vergangenheit - allerdings aus technischen Gründen - favorisiert wurde.

Aber beim Wettkampf technischer Systeme geht es manchmal zu wie beim Sport: Der lange Zeit in Führung liegende und bereits mit Applaus bedachte Favorit muß nicht unbedingt auch den Endspurt für sich entscheiden! Das ohne Pulsung arbeitende W-CDMA-Verfahren, unterstützt durch die gemeinsame Mannschaft von Ericsson und Nokia, wurde (nach Verlängerung) zwar zum Sieger erklärt, der Konkurrent TD-CDMA*5 , der von einer Allianz aus Alcatel, Bosch, Italtel, Motorola, Nortel, Siemens und Sony gepusht wird, aber ebenfalls! W-CDMA lag im Dezember 1997 bei einer Abstimmung noch alleine vorn in der Gunst der Schiedsrichter des ETSI, konnte aber nicht die erforderliche Mehrheit von 71 % erringen. Auf einer außerordentlichen Sitzung im Februar 1998 einigte man sich auf einen Kompromiß: Und stellte TD-CDMA neben W-CDMA oben auf das Siegertreppchen.

Damit enthält der UMTS-Rahmenstandard, der die mobile Übertragung von Sprache, Musik, Text, Daten, Graphik und Video umfaßt, zwei verschiedene Verfahren: W-CDMA vorzugsweise für Systeme mit "symmetrischen" Übertragungskanälen, wie z.B. Sprachübertragung und 2-Wege-Datenübertragung. TD-CDMA vorzugsweise für Schnurlos-Telefonie und "asymmetrischen" Datenverkehr, wo in einer Richtung erheblich mehr Daten übertragen werden als in der anderen (z.B. Fax, Paging, Internet-Zugriff).

TD-CDMA wurde aus einer Kreuzung des gepulsten TDMA-Verfahrens*6 , wie es im GSM-Mobilfunkstandard zur Anwendung kommt, mit dem ungepulsten CDMA*7 geboren und hat dabei die Eigenschaft der periodischen Pulsung vom TDMA-Elternteil übernommen. Diese Kreuzung vereinigt technisch gesehen die Vorteile beider Verfahren; bio-logisch gesehen schlägt die "schlechte" Eigenschaft der periodischen Pulsung von TDMA durch und macht das prinzipiell pulsfreie Funktionieren von CDMA zunichte.

Pro Frequenzkanal arbeitet UMTS TD-CDMA - so wie GSM - mit acht Zeitschlitzen im 217 Hz-Puls; in jedem Zeitschlitz sind noch einmal acht Code-Kanäle untergebracht (vgl. Tabelle 1).

Bandbreite pro Frequenzkanal TDMA CDMA
Anzahl Zeitschlitze pro Frequenzkanal Pulsfrequenz Anzahl Codes pro Zeitschlitz
GSM 200 kHz 8 217 Hz -
UMTS mit TD-CDMA 8 x 200 kHz = 1,6 MHz 8 217 Hz 8
Tabelle 1: Gegenüberstellung von GSM und UMTS TD-CDMA

Das Gespann aus W-CDMA und TD-CDMA wird bei seinem Siegeszug erwartungsgemäß ein flottes Tempo vorlegen: Die Ausarbeitung der technischen Details soll bis Ende 1999 erfolgen. Der Start der ersten Feldversuche ist für 2001 vorgesehen und der Beginn des regulären Betriebes ab 2002. Der flächendeckende Ausbau soll dann innerhalb von drei Jahren bis 2005 abgeschlossen sein.

Bei der Einführung des digitalen Mobilfunks im Jahre 1992 hatte zwischen den Großeltern (1. Generation / analoge Mobilfunksysteme, wie z.B. C-Netz) und den Eltern (2. Generation / digitale GSM-Netze) des Mobilfunk-Enkels UMTS ein technischer Generationenkonflikt mit anschließendem Systembruch stattgefunden. Ein solcher radikaler Systembruch, den der alleinige Übergang auf W-CDMA wiederum bedeutet hätte, wurde durch den TD-CDMA-Kompromiß vermieden.

Dafür hat der GSM-Elternteil seine pulsierenden Eigenschaften auf den Enkel UMTS übertragen. Diese Erbmasse wird an eine zahlreiche Nachkommenschaft weitergegeben: Bis zum Zeitraum 2002-2005 werden weltweit ca. 300 Millionen Mobilfunkteilnehmer erwartet. Auf dieser Basis wird UMTS sein Erbe antreten.

Mit der Einbeziehung von TD-CDMA in den UMTS-Rahmenstandard ist die Chance vertan, ein europa- oder gar weltweit einheitliches GSM-Nachfolgesystem zu schaffen, das ohne gepulste Strahlung auskommt. Während WHO und Europäische Union aktuellen Forschungsbedarf bei der Klärung der biologischen Wirkungen von gepulster Strahlung sehen und hierfür in den nächsten Jahren zweistellige Millionenbeträge ausgeben werden, sind von der Technik die Weichen für die mobile Telekommunikation der Zukunft ohne genaueres Wissen um die biologischen Konsequenzen bereits gestellt.

Also werden die erwarteten mehrere hundert Millionen Mobilfunk-Teilnehmer auch weiterhin periodisch pulsende Handies verwenden. Es wäre zu schön gewesen ...
Abkürzungen:

*1 GSM: Global System for Mobile Communications
*2 ETSI: European Telecommunication Standardization Institute
*3 UMTS: Universal Mobile Telecommunication System
*4 W-CDMA: Wideband Code Division Multiple Access / Breitband-CDMA, ungepulst
*5 TD-CDMA: Time Division - Code Division Multiple Access, gepulst
*6 TDMA: Time Division Multiple Access / Zeitmultiplex, gepulst
*7 CDMA: Code Division Multiple Access / Codemultiplex, ungepulst

blau_links_20Mietminderung wegen Mobilfunksender

Mieter dürfen den Mietzins mindern, wenn sie sich durch eine nachträglich auf dem Dach ihres Hauses installierte Mobilfunkantenne beeinträchtigt fühlen. Dieses Urteil des Amts- und Landgerichtes München wurde schon 1998 gefällt, in der Öffentlichkeit ist es jedoch kaum bekannt.

Das Amtsgericht München hat im Rahmen einer mietrechtlichen Auseinandersetzung eine 20%ige Mietminderung gebilligt. Es ging um die Installation von Mobilfunkantennen auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses, direkt über der Wohnung des Mieters. Der Vermieter forderte den zurückbehaltenen Differenzbetrag vom Mieter zurück, das lehnten die Richter ab.

Für das Wohlbefinden der Mieter komme es nicht auf sofort spürbare Einwirkungen der Antennenanlage, sondern auch auf die Furcht vor Gesundheitsschäden, selbst wenn sich dies später als unbegründet darstellen sollte. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass in der Vergangenheit wiederholt die von neuen technischen Errungenschaften ausgehenden Gefahren falsch eingeschätzt worden seien, blieben angesichts vieler warnender Stimmen kritischer Wissenschaftler vernünftig erscheinende Zweifel. Da das E-Plus-Netz relativ jung sei, lasse sich über die Folgen langjähriger Dauereinwirkungen nichts Endgültiges sagen. Allein die Furcht stelle bereits eine echte Beeinträchtigung im Sinne des § 537 Abs. 1 BGB dar.

Der Mieter habe einen Anspruch darauf, dass ein Vermieter nicht nachträglich das Anwesen in einer bei Abschluss des Mietvertrages nicht vorhersehbaren Weise nutze und dem Mieter somit die Angst aufbürde, dadurch gesundheitlich geschädigt zu werden.

In der Urteilsbegründung schrieb der Amtsrichter Manfred Sehlke: "Es ist für diese Auseinandersetzung belanglos, dass die streitgegenständlichen Anlagen rechtlich zulässig sind und alle gegenwärtig in Deutschland gültigen Grenzwerte einhalten." Das Mietminderungsrecht wegen Baulärm hänge ja auch nicht davon ab, ob der Nachbar legal oder schwarz baue.

Urteil vom 27.3.98
Amtsgericht München
Aktenzeichen 432 C 7381/95

Gegen dieses Urteil des Amtsgerichtes ging der Vermieter in Berufung. Das Landgericht München hat die Berufung als unzulässig verworfen (AZ 14 S 6614/98, Landgericht München 1).

Autor : Guido Huwiler, Schweiz

26. BImSchV

Bundesgesetzblatt Jahrgang 1996 Teil I Nr. 66, ausgegeben zu Bonn am 20. Dezember 1996

Sechsundzwanzigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über elektromagnetische Felder - 26. BImSchV) Vom 16. Dezember 1996

Auf Grund des § 23 Abs. 1 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 14. Mai 1990 (BGBl. I S. 880), der zuletzt durch Artikel 1 Nr. 13 des Gesetzes vom 9. Oktober 1996 (BGBl. I S. 1498) geändert worden ist, verordnet die Bundesregierung nach Anhörung der beteiligten Kreise:

§1 Anwendungsbereich

  1. Diese Verordnung gilt für die Errichtung und den Betrieb von Hochfrequenzanlagen und Niederfre­quenz­­anlagen nach Absatz 2, die gewerblichen Zwecken dienen oder im Rahmen wirtschaftlicher Unter­nehmungen Verwendung finden und nicht einer Genehmigung nach § 4 des Bundes-Immissionsschutz­gesetzes bedürfen. Sie enthält Anforderungen zum Schutz der Allgemeinheit und der Nachbarschaft vor schädlichen Umwelteinwirkungen und zur Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen durch elektro­magnetische Felder. Die Verordnung berücksichtigt nicht die Wirkungen elektromagnetischer Felder auf elektrisch oder elektronisch betriebene Implantate.

  2. Im Sinne dieser Verordnung sind:
    1. Hochfrequenzanlagen:
      ortsfeste Sendefunkanlagen mit einer Sendeleistung von 10 Watt EIRP (äquivalente isotrope Strah­lungsleistung) oder mehr, die elektromagnetische Felder im Frequenzbereich von 10 Megahertz bis 300 000 Megahertz erzeugen,
    2. Niederfrequenzanlagen:
      folgende ortsfeste Anlagen zur Umspannung und Fortleitung von Elektrizität:
      • Freileitungen und Erdkabel mit einer Frequenz von 50 Hertz und einer Spannung von 1000 Volt oder mehr,
      • Bahnstromfern- und Bahnstromoberleitungen einschließlich der Umspann- und Schaltanlagen mit einer Frequenz von 16²/3 Hertz oder 50 Hertz,
      • Elektroumspannanlagen einschließlich der Schaltfelder mit einer Frequenz von 50 Hertz und einer Oberspannung von 1000 Volt oder mehr.

Anmerkung:
Nicht unter die Verordnung fallen damit Anlagen, die ausschließlich der Wahrneh­mung hoheitlicher Auf­gaben dienen (wie Sendefunkanlagen des Bundesgrenzschutzes, der Polizei, der Bundeswehr, der Was­ser- und Schiffahrtsverwaltung des Bundes), privat betriebene Anlagen (wie Ama­teurfunk­anlagen) und Sendefunkanlagen des öffenlich-rechtlichen Rundfunks sowie alle Funkanlagen mit einer Sendefrequenz unter 10 MHz (also alle Lang- und Mittelwellensender sowie ein Großteil der Kurzwellensender). Die Ver­ordnung gilt nur für Anlagen, nicht für elektrische Geräte oder Maschinen. Desweiteren gilt die Verordnung nur für ortsfeste Anlagen, also nicht für mobile, wie z.B. Schiffsradaran­la­gen, mobile Geräte (wie Mobilfunkendgeräte) und nicht für Fahrzeuge. Niederfrequenzanlagen mit einer Betriebsspannung unter 1000 Volt fallen ebenfalls nicht unter den Gel­tungs­bereich der Verordnung
.


§ 2 Hochfrequenzanlagen

Zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen sind Hochfrequenzanlagen so zu errichten und zu betrei­ben, daß in ihrem Einwirkungsbereich in Gebäuden oder auf Grundstücken, die zum nicht nur vor­über­­gehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, bei höchster betrieblicher Anlagenauslastung und unter Berücksichtigung von Immissionen durch andere ortsfeste Sendefunkanlagen

  1. die im Anhang 1 bestimmten Grenzwerte der elektrischen und magnetischen Feldstärke für den jeweiligen Frequenzbereich nicht überschritten werden und
  2. bei gepulsten elektromagnetischen Feldern zusätzlich der Spitzenwert für die elektrische und die magnetische Feldstärke das 32fache der Werte des Anhangs 1 nicht überschreitet. .


 

§ 3 Niederfrequenzanlagen

Zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen sind Niederfrequenzanlagen so zu errichten und zu betreiben, daß in ihrem Einwirkungsbereich in Gebäuden oder auf Grundstücken, die zum nicht nur vor­übergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, bei höchster betrieblicher Anlagenauslastung und unter Berücksichtigung von Immissionen durch andere Niederfrequenzanlagen die im Anhang 2 bestimmten Grenzwerte der elektrischen Feldstärke und magnetischen Flußdichte nicht überschritten werden. Dabei bleiben außer Betracht

  1. kurzzeitige Überschreitungen der in Satz 1 angegebenen Werte um nicht mehr als 100 vom Hundert, deren Dauer insgesamt nicht mehr als 5 vom Hundert eines Beurteilungszeitraums von einem Tag ausmacht, (Anmerkung: Dies entspricht 72 Minuten pro Tag)
  2. kleinräumige Überschreitungen der in Satz 1 angegebenen Werte der elektrischen Feldstärke um nicht mehr als 100 vom Hundert außerhalb von Gebäuden,

soweit nicht im Einzelfall hinreichende Anhaltspunkte für insbesondere durch Berührungsspannungen hervorgerufene Belästigungen bestehen, die nach Art, Ausmaß oder Dauer für die Nachbarschaft un­zumutbar sind.


§ 4 Anforderungen zur Vorsorge

Zum Zwecke der Vorsorge haben bei der Errichtung oder wesentlichen Änderung von Niederfrequenz­anlagen in der Nähe von Wohnungen, Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, Kinderhorten, Spiel­plätzen oder ähnlichen Einrichtungen in diesen Gebäuden oder auf diesen Grundstücken abweichend von § 3 Satz 2 Nr. 1 und 2 auch die maximalen Effektivwerte der elektrischen Feldstärke und magne­tischen Flußdichte den Anforderungen nach § 3 Satz 1 zu entsprechen.


§ 5 Ermittlung der Feldstärke­ und Flußdichtewerte

Meßgeräte, Meß- und Berechnungsverfahren, die bei der Ermittlung der elektrischen und magnetischen Feldstärke und magnetischen Flußdichte einschließlich der Berücksichtigung der vorhandenen Immis­sionen eingesetzt werden, müssen dem Stand der Meß- und Berechnungstechnik entsprechen. Soweit anwendbar sind die Meß- und Berechnungsverfahren des Normentwurfs DIN VDE 0848 Teil 1, Ausgabe Mai 1995, einzusetzen, der bei der VDE-Verlag GmbH oder der Beuth Verlag GmbH, beide Berlin, zu beziehen und beim Deutschen Patentamt archivmäßig gesichert niedergelegt ist. Messungen sind am Einwirkungsort mit der jeweils stärksten Exposition durchzuführen, an dem mit einem nicht nur vorüber­gehenden Aufenthalt von Menschen gerechnet werden muß. Sie sind nicht erforderlich, wenn die Ein­hal­tung der Grenzwerte durch Berechnungsverfahren festgestellt werden kann.


§ 6 Weitergehende Anforderungen

Weitergehende Anforderungen aufgrund anderer Rechtsvorschriften, insbesondere von Rechtsvorschrif­ten zur elektromagnetischen Verträglichkeit und des Telekommunikationsrechts, bleiben unberührt.
.


§ 7 Anzeige

  1. Der Betreiber einer Hochfrequenzanlage hat diese der zuständigen Behörde mindestens zwei Wo­chen vor der Inbetriebnahme oder einer wesentlichen Änderung anzuzeigen; der Anzeige ist die vom Bundesamt für Post und Telekommunikation nach telekommunikationsrechtlichen Vorschriften zu er­stellende Standortbescheinigung beizufügen.
  2. Der Betreiber einer Niederfrequenzanlage hat diese der zuständigen Behörde mindestens zwei Wochen vor der Inbetriebnahme oder einer wesentlichen Änderung anzuzeigen, soweit
    1. die Anlage auf einem Grundstück im Bereich eines Bebauungsplans oder innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils oder auf einem mit Wohngebäuden bebauten Grundstück im Außenbereich belegen ist oder derartige Grundstücke überquert und
    2. die Anlage oder ihre wesentliche Änderung nicht einer Genehmigung, Planfeststellung oder sonstigen behördlichen Entscheidung nach anderen Rechtsvorschriften bedarf, bei der die Belange des Immissionsschutzes berücksichtigt werden.

    Bei Leitungen genügt die Anzeige derjenigen Leitungsabschnitte, für die die Voraussetzungen nach Satz 1 vorliegen.

  3. Bei Anzeigen nach Absatz 1 oder 2 soll der Betreiber die für die Anlage maßgebenden Daten angeben und der Anzeige einen Lageplan beifügen.


     

§ 8 Zulassung von Ausnahmen

  1. Die zuständige Behörde kann auf Antrag Ausnahmen von den Anforderungen der §§ 2 und 3 zu­lassen, soweit unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalls, insbesondere Art und Dauer der Anlagenauslastung und des tatsächlichen Aufenthalts von Personen im Einwirkungsbereich der Anlage, schädliche Umwelteinwirkungen nicht zu erwarten sind.
  2. Die zuständige Behörde kann Ausnahmen von den Anforderungen des § 4 zulassen, soweit die Anforderungen des § 4 im Einzelfall unverhältnismäßig sind.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 62 Abs. 1 Nr. 7 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 2 eine Hochfrequenzanlage oder

  1. entgegen § 3 Satz 1 eine Niederfrequenzanlage errichtet oder betreibt,
  2. entgegen § 4 eine Niederfrequenzanlage errichtet oder wesentlich ändert oder
  3. entgegen § 7 Abs. 1 oder 2 Satz 1 eine Anzeige nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig erstattet.

§ 10 Übergangsvorschriften

  1. Die vorbereitenden Maßnahmen zur Einhaltung der Anforderungen bei Anlagen, die vor Inkrafttreten dieser Verordnung errichtet wurden, müssen unverzüglich eingeleitet werden.
  2. Die Anforderungen der §§ 2 und 3 sind bei Anlagen, die vor Inkrafttreten dieser Verordnung errichtet wurden, nach Ablauf von drei Jahren seit Inkrafttreten dieser Verordnung einzuhalten. Die zuständige Behörde kann im Einzelfall anordnen, daß die Anforderungen abweichend von Satz 1 bei wesentlichen Überschreitungen bereits zu einem früheren Zeitpunkt zu erfüllen sind.
  3. Kann die Nachrüstung einer Anlage, die vor Inkrafttreten dieser Verordnung errichtet wurde, aus Gründen, die der Anlagenbetreiber nicht zu vertreten hat, vor Ablauf der in Absatz 2 Satz 1 genannten Frist nicht abgeschlossen werden, so kann die zuständige Behörde eine Ausnahme zulassen; die Aus­nahme ist zu befristen.


§ 11 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am ersten Tage des auf die Verkündung folgenden Kalendermonats in Kraft.


Autor:
Dr.-Ing. Martin H. Virnich, Ingenieurbüro für Baubiologie und Umweltmesstechnik, Mönchengladbach



Anhang 1 (zu §2)

Hochfrequenzanlagen

Effektivwert der Feldstärke und der Leistungsflußdichte*1), quadratisch gemittelt über 6-Minuten-Intervalle
Frequenz*2) (f) in Megahertz (MHz) elektrische Feldstärke in Volt pro Meter (V/m) magnetische Feldstärke in Ampere pro Meter (A/m) Leistungsflußdichte*1) in Watt pro Quadratmeter (W/m²)
10 -400 27,5 0,073 2<
400 -2.000 1,375 sqrt(f) 0,0037 sqrt(f) 0,005 f
2.000 - 300.000 61 <0,16 10

*1) In der 26. BImSchV sind nur Grenzwerte für die elektrische und die magnetische Feldstärke angegeben; hieraus wurden die Werte für die Leistungsflußdichte berechnet.

*2) In der der 26. BImSchV sind Grenzwerte für Hochfrequenzanlagen mit Frequenzen unter 10 MHz zur Zeit nicht geregelt. Eine Erweiterung für niedrigere Frequenzen ist in Bearbeitung.


Anhang 2 (zu § 3)

Niederfrequenzanlagen

Effektivwert der elektrischen Feldstärke und magnetischen Flußdichte
Frequenz in Hertz (Hz) elektrische Feldstärke*3)in Kilovolt pro Meter(kV/m) magnetische Flußdichte in Mikrotesla (mT)
50-Hz-Felder 5 100
16 2/3-Hz-Felder 10 300

*3) Anmerkung: Potentialfreie Messung

 

grn Leben unter Spannung: die elektrischen Wechselfelder

Ein Leben ohne Strom ist heute kaum noch vorstellbar. Der Strom im Haus schwingt im 50 Herz-Takt durch die Leitungen. Deshalb spricht man von Wechselstrom. Die Felder, die sich von einem unter Spannung stehenden Kabel oder Gerät herum ausbreiten, heißen dementsprechend elektrische Wechselfelder. Sie existieren auch, wenn die Geräte ausgeschaltet sind. Man kann sie nicht sehen, aber messen.

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Neben dem elektrischen Wechselfeldern im Haus erzeugt auch Bahnstrom elektrische Wechselfelder. Sein Strom schwingt mit 16 2/3 Herz und wird von Baubiologen ebenfalls gemessen.

Der Mensch leitet Strom sehr gut. Das ist der Grund, warum auch elektrische Wechselfelder an den menschlichen Körper ankoppeln. Als Folge davon steht der Körper unter Spannung. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der Mensch von der Erde isoliert ist: im Bett.

Wirkt während des Schlafens ein hohes elektrisches Wechselfeld auf den Körper ein, bleibt das für den Menschen nicht ohne Effekt. Die Felder verursachen künstliche Wirbelströme, Stromflüsse und Ladungsumkehrungen. Zellen und Nerven werden gereizt.

Wissenschaftlich sind die gesundheitlichen Auswirkungen noch nicht genau erforscht, doch werden baubiologischen Messtechniker zu Rate gezogen, wenn Bewohner unter Schlafstörungen, Unruhe, Befindlichkeitsstörungen, Gereiztheit, mangelnder Erholung und anderen Symptomen leiden. Die Erfahrung zeigt, das diese Symptome mit einer fachgerechten Sanierung oft nachlassen. Die Messtechnik ist bei der Ausarbeitung eines wirkungsvollen Sanierungskonzepts unumgänglich, denn die Situation im Schlafzimmer, Kinderzimmer oder sonstigen Wohnbereichen kann sehr komplex sein.

Eine messtechnische Analyse der Situation vor Ort und gegebenenfalls eine Sanierung mit Reduzierung der elektrischen Wechselfelder - vor allem im Bett - ist also sinnvoll. Immerhin soll sich der Mensch im Schlaf erholen können.

grn Sie möchten entspannt schlafen? Wir messen die Situation bei Ihnen vor Ort und arbeiten ein Sanierungskonzept für Sie aus. Fragen Sie uns.